• September 2014


Puristen vs. Spassbahner - und ihre Berechtigung,


so hört man immer wieder von den beiden Lagern, dass die wahre Kunst der Modellbahngestaltung eben nur jene sei, welche sich mit der einen oder anderen Thematik auseinander setzt. Doch wer hat nun Recht und wer nicht? Oder ist es am Ende so, dass alle mit ihren Definitionen über die Art und Weise, wie man eine Modellbahn konzipiert und umsetzt, für sich genommen absolut richtig liegen?


Und jetzt beginnt eben genau das, was man Einflussfaktoren nennt. Damit ist gemeint, dass es auf die Zeit ankommt, die man für sein Hobby hat. Nicht zu vergessen, die Fähigkeiten, den Platz (und damit ist sicherlich auch der Platz in der Geldbörse gemeint ;-) ), und ob man vielleicht schon ein kleines geerbtes Kontingent an zu verbauenden Komponenten, wie Gleise oder Häuser, Fertiggelände oder was auch immer alles noch auf den Dachböden der Väter und Großväter so für Schätze verborgen sind, zur Verwendung hat und kommen wird. Dieses alles zusammen genommen ergibt die Voraussetzung zum Beginn und beeinflusst die Entscheidung: "…wie werde ich bauen?".


Natürlich wird diese Entscheidung auch durch äußere Einflüsse geprägt, wie die Bekannten und Freunde im eigenen Umfeld, auch die Social Media Umgebung mit ihren ausgeprägten Foren und Gruppen wie sie z.B. auf Facebook und Co. zahlreich zu finden sind, spielen eine große Rolle bei der Meinungsbildung und Meinungsfindung. Wenn nun schon der Vater eben eine Märklin hatte, dann wird es auch bei dem Sohn so sein (können), und wenn die Freunde in der Schule alle zum MoBa-Verein gegangen sind und man immer mitgenommen wurde und dort eine riesige Spur N-Anlage die Augen hat funkeln lassen und die Herzfrequenz jedes Mal ins unermessliche gestiegen ist, dann, ja dann muss es später eben genau eine solche sein!


Nun aber mal zu den Puristen unter den Modellbahnern, obwohl ich diesen Begriff eher nicht wählen möchte, weil dieser in seiner Bedeutung lt. Wikipedia meint, dass die "…Puristen strebten eine einfache funktionale Malerei und Bauweise an, in der sich Ästhetik und Maschinenwelt vereinigen sollen. Auf rationaler Grundlage sollten einfache geometrische Formen mit maschineller Präzision verwendet werden. Sie schätzen den Goldenen Schnitt als ideale Proportion. Rein dekorative Elemente lehnten sie ab…". Ganz so ist es ja dann doch nicht oder ich würde sagen, eher wesentlich ausgeprägter noch. Ein Diorama, das über Monate auf einem halben Quadratmeter entsteht, wird so präzise und ausgefeilt bearbeitet, dass man diese kleine Welt manchmal kaum noch von der Wirklichkeit unterscheiden kann, oder doch, oder vielleicht gar eben sollte? Und dies nun auf einer ganzen Anlage? Wer hat dafürdie Zeit, über Jahre zu bauen und am Ende ein überwältigendes Kunstwerk zu schaffen? Wohl mehr als wir vermuten. Findet man sie nicht auch ebenso unterden Spielbahnern?! Doch, so denke ich, denn abgesehen von der ausgeprägten Streckenführung, sind hier und da immer wieder Ansätze, wo eben genau diese puristische Seite eines jeden Modellbahners zum Ausdruck kommt.


Ich würde sagen, in jedem Modellbahner schlagen zwei Herzen und die Möglichkeiten entscheiden, was am Ende gebaut und gefahren wird… :-D


Purismus oder Nostalgie?


Wer träumt nicht davon, eine Lok auf seiner Anlage oder in der Vitrine zu haben, die mit ihren Details dem 1:1 Vorbild mit nichts nachsteht, die mit Geräuschen ausgestattet ist, dass man nicht mehr aus dem Staunen heraus kommt. Doch was ist dagegen das wundervolle Gefühl, eben genau diese eine Lok zu besitzen, mit der schon der Großvater vor 50 Jahren auf seiner kleinen Spielbahn unter dem Weihnachtsbaum gefahren ist. Und genau diese Lok steht nun auf den Gleisen und dampft neben dem beinahe wie aus der Wirklichkeit kommenden Gegenstück und scheint an Details beinahe zu erblassen.
 

Der kleine Junge, der gerade erst anfängt und sich eine Startpackung mit großen Stolz vom eigenen Taschengeld im Modellbahnladen nebenan gekauft hat und nun seinen ersten kleinen Kreis, seine erste große Wunderwelt erschaffen hat. Und sein Vater, der im Keller seit 20 Jahren an seiner 15 Quadratmeter Modellanlage baut und dies mit einer solchen Hingabe für sein Hobby, das man meinen könnte, er wolle die Welt, so wie er sie sich erträumt, auf dieser kleinen Platte aus Holz festhalten. Man sieht auf ihr kaum einen cm Landschaft, die auf einem Foto nicht so wirklich erscheint, dass man verblüfft ist, weil man sie eben nicht unterscheiden kann. Beides ist faszinierend und für sich gesehen ein geschaffenes Wunderwerk, welches die Leidenschaft und die Faszination zur Modelleisenbahn jeweils auf ihre besondere Weise wiederspiegelt.


Euer Ulf Gottschalk©2014




  • August 2014


Zu viel Gleise oder zu viel Landschaft,


das habe ich über meine Anlage (Projekt I und jetzt auch das aktuelle Projekt II) auch schon immer mal wieder gehört. Aber ich denke das ist ebenso wie das Landschaftsbauen mit ein oder zwei einsamen Gleisen durch diese, eine spezielle Richtung der Trassengestaltung.


Dem einen geht es um die Landschaft, dem anderen in seinem MoBa-Projekt um den ausgeprägten Fahrbetrieb. So selten ist das eher nicht, dass sehr viel Gleistrassen verlegt werden in Anlagen. Vielleicht hält sich das auch so die Waage, Statistiken darüber kenne ich bisher nicht. Vor allem, wenn man möglichst viele Züge in der Anlage belassen möchte (und nicht nur im Schattenbahnhof) um sich an diesen auch sichtbar erfreuen zu können und diese je nach Laune auch abwechselnd zum Einsatz zu bringen.


Eher die klassische oder nostalgische Form der Streckengestaltung ist wohl die der vielen Gleisstrecken in einer Modellbahnanlage. Dies resultiert sicher daraus, dass zu Beginn der Modelleisenbahnen der Platz in den Wohnungen nicht so gross war, dass man sich dafür ein eigenes Zimmer oder gar einen Dachboden- bzw. Kellerraum leisten konnte. Später wurde das dann anders und die vielen entstehenden Modellbahnvereine änderten diese Situation ebenfalls und somit auch unter Umständen die Philosophie der Streckengestaltung.


Dennoch finde ich persönlich beides sehr interessant und freue mich immer wieder sowohl die eine oder andere Anlagegestaltungsweise hier zu finden. Ich bin davon überzeugt, dass jede für sich ihren besonderen Reiz hat und mit nichts in Konkurrenz zueinander stehen.


Nicht zu vergessen und diese sollten auch auf jeden Fall erwähnt werden, sind die Schöpfer der unglaublich wundervollen Diorama! Sie beeindrucken immer wieder mit ihren noch ausgeprägteren Details und der besonderen Liebe fürs Darstellen und Gestalten.


Euer Ulf Gottschalk©2014



Brücken…


Gerade bin ich angekommen

Noch nicht sicher, wo es ist

Hab nur jenen Weg vernommen

Den man nicht nach Schritten misst


Werd ihn nehmen, mir gedacht

Auch wenn nicht der leichteste

Zuversicht gleich mitgebracht

Auch wenn’s nicht das seichteste


Wasser ist, wo ich hinüber

Doch die Bücke wird mich tragen

Also mache ich mich mal rüber

Vorsichtig die Schritte wagen


Auf den Weg dort hin zu gehen

Von wo aus ich kann rüber schauen

An den Ort wo ich würd’ stehen

Wenn wir keine Brücken bauen


Reiche Dir die Hand zum laufen

Über Wege, die verbinden

Die wir liebevoll gern taufen

Mit den Namen die verschwinden


Doch Erinnerungen bleiben

In den Herzen jener Leute

Die uns immer weiter treiben

An die unbekannten Orte


Dort wo ich grad angekommen

Noch nicht sicher, wo es ist

Hatt’ nur jenen Weg vernommen

Den man nicht nach Schritten misst


(c) Ulf Gottschalk 12-09-2006

*grübel*